Begrüßung und Kontext
Begrüßt wurden die Gäste von Christian Erdnüß, Fanbeauftragter des FC Augsburg, sowie Martin Schenkelberg, Vertreter des Sozialreferats der Stadt Augsburg. Beide betonten die Bedeutung psychischer Gesundheit als Teil eines inklusiven und nachhaltigen Arbeitsumfelds – in der Wirtschaft, im Sport und in der Gesellschaft.
Teil 1: Aktuelle Studienlage und betriebliche Handlungsfelder – Vortrag von Annegret Wolf
Annegret Wolf, Fachkraft für Arbeitssicherheit, B.Sc. Angewandte Psychologie und Fachberaterin für Stress- und Burnoutprävention bei Anwander Ingenieure, führte mit fundierten Daten und konkreten Handlungsempfehlungen in das Thema ein.
Laut dem aktuellen DAK-Psychreport 2024 sind psychische Erkrankungen die dritthäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit – im Gesundheitswesen sogar auf Platz eins. Auch die TK-Stressstudie 2021 verdeutlicht: Arbeit, übersteigerter Leistungsanspruch und private Belastungen gehören zu den Hauptstressoren.
Besonders relevant:
- Zu viel Arbeit, Termindruck, Unterbrechungen und Informationsflut wirken im Berufsalltag als starke Stressfaktoren.
- Die Anzahl der Fehltage aufgrund psychischer Belastungen steigt seit Jahren kontinuierlich.
Annegret Wolf stellte praxisnahe Empfehlungen für Unternehmen vor:
- Arbeitsanforderungen besser mit den Fähigkeiten der Mitarbeitenden abstimmen
- Mehr Selbstbestimmung und Handlungsspielräume ermöglichen
- Anerkennung, Beteiligung und Sinnstiftung in der Arbeit fördern
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung: Richtig durchgeführt, kann sie ein wirksames Instrument zur Prävention und Organisationsentwicklung sein – vorausgesetzt, sie wird partizipativ umgesetzt und die Ergebnisse fließen in konkrete Verbesserungen ein.
Teil 2: Gesund führen – sich und andere – Vortrag von Thomas Reuß
Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte Thomas Reuß, Berater bei Anwander Ingenieure, das Konzept „Gesund führen – sich und andere“ vor, basierend auf dem Ansatz von Dr. Anne Katrin Matyssek.
Die zentrale Fragestellung: Wie beeinflusst Führungsverhalten die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden?
Ergebnisse aus Studien zeigen:
- Psychische Gesundheit leidet unter schlechter Kommunikation, mangelnder Anerkennung und fehlender Sinnstiftung durch Führung.
- Führungskräfte beeinflussen zentrale Ressourcen wie Feedback, Autonomie und soziale Unterstützung – oder eben nicht.
- Besonders alarmierend: Burnout bei Führungskräften überträgt sich auf Mitarbeitende. Innerhalb von sechs Monaten steigt das Risiko für Burnout im Team deutlich.
Thomas Reuß präsentierte die 6 Dimensionen gesunder Führung nach Dr. Matyssek:
- Ressourcen aufbauen & Belastungen abbauen
- Anerkennung, Lob & Wertschätzung zeigen
- Aufmerksamkeit, echtes Interesse zeigen
- Gesprächsführung & Einbeziehen ermöglichen
- Offenheit & Transparenz leben
- Gutes Betriebsklima aktiv gestalten
Dabei wurde deutlich: Führung beginnt bei der Selbstfürsorge. Nur wer sich selbst gesund führt, kann langfristig andere gesund führen.
Ein Zitat, das bei vielen hängen blieb:
„Ein Mensch, der zu beschäftigt ist, sich um seine Gesundheit zu kümmern, ist wie ein Handwerker, der keine Zeit hat, seine Werkzeuge zu pflegen.“ (Spanisches Sprichwort)
Fazit & Ausklang
Der 24. Augsburger Infotreff hat eindrucksvoll gezeigt: Psychische Belastungen sind kein Randthema – sondern ein zentrales Handlungsfeld für Unternehmen, Führungskräfte und die Gesellschaft insgesamt.
Die Veranstaltung klang bei Sonnenschein und guten Gesprächen auf der VIP-Terrasse aus – mit vielen Impulsen für den Arbeitsalltag und darüber hinaus.
Wir bedanken uns herzlich beim FCA und Anwander Ingenieure, die uns zwei so hervorragende ReferentInnen zur Verfügung gestellt haben!